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Ronja Ebeling über Zorn & Zukunftsängste

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CITY-GUIDE, CITY-TALK

Ronja Ebeling über Zorn & Zukunftsängste

Ronja Ebeling

Ronja Ebeling

Die gesellschaftlichen Missstände machen viele meiner Generation wütend. Jetzt geht es darum, laut zu werden und sich einzumischen.”

Unsichere Renten, ein völlig überteuerter Wohnungsmarkt, befristete Jobs und last but not least auch noch die Klimakrise – die junge Generation hat viele Sorgen, doch die werden von den Älteren oft überhört oder nicht ernst genommen. Das will Ronja Ebeling ändern! Die 25-Jährige arbeitet als freiberufliche Redakteurin, Sprecherin sowie Video-Creatorin und bringt mit ihrem neuen Buch “Jung, besorgt, abhängig” die Zukunftssorgen ihrer Generation auf den Punkt. Sie hat genug davon, dass Entscheidungen in Politik und Gesellschaft hauptsächlich von Männern über 50 getroffen werden, dass Millennials nur mitgedacht werden, wenn man sich mal wieder darüber echauffiert, wie verweichlicht die jungen Leute heutzutage doch seien. Die Wahlhamburgerin plädiert für mehr Verständnis zwischen den Generationen und neue Lösungen, von denen alle profitieren! Im Interview verrät sie, wie sie auf die Idee zu ihrem Buch gekommen ist, welche Probleme sie ganz persönlich umtreiben und welche Veränderungen sie sich für die Zukunft wünschen würde…

Was hat dir den Anstoß dazu gegeben, dein Buch zu schreiben?

Was sind die größten Probleme für die junge Generation?

Das größte Problem ist, dass man uns nicht auf Augenhöhe begegnet und uns pausenlos als faul und verhätschelt betitelt. Das geht sogar so weit, dass man auf Studien und Fakten, die ich in meinem Buch zum Beispiel zum Thema Altersarmut und Rentenentwicklung erwähne, mit den Worten reagiert: „Wenn ihr wie wir hart genug ackern würdet, müsstet ihr euch auch keine Sorgen um eure Rente machen.“ Diese Rechnung geht aufgrund des demografischen Wandels nicht auf und das „harte Ackern“ garantiert uns eher ein Burnout als eine verlässliche Rente. 

Ronja Ebeling

Welche Erfahrungen hast du selbst gemacht?

Weil mein Buch ein autobiografisches Sachbuch ist, beinhaltet es all meine persönlichen Erfahrungen: vom befristeten Job bis hin zur Frage, wie ich für meine Rente vorsorgen kann. Derzeit beschäftigt mich das Thema Wohnen akut. Ich lebe und arbeite mit meinem Partner in Hamburg in einer Zweizimmerwohnung. Wir suchen etwas Größeres, aber der Wohnungsmarkt ist brutal. Die Mieten steigen bis in den Himmel, von Eigentum ganz zu schweigen. 

Neben dem Buch hast du auch einen eigenen Podcast „Hungy Minds –eine Generation, die fordert“. Nach welchen Kriterien suchst du hier Gesprächspartner und Themen aus? 

Meine Gäste sind junge Menschen, die sich auf ein Thema spezialisiert haben und vorstellen, wie wir damit in Zukunft umgehen könnten. Mit der Unternehmerin Nina Faulhaber habe ich mich zum Beispiel über das Thema Social Freezing unterhalten. Sie hat selbst ihre Eizellen einfrieren lassen, weil sie laut ihrer Frauenärztin wohl verfrüht in die Wechseljahre kommen wird. Heute finanziert sie all ihren Mitarbeitenden Social Freezing, aber auch Adoption und Childcare. Das finde ich wahnsinnig fortschrittlich. In einer anderen Folge habe ich mit dem Journalisten Till Eckert über Desinformationen gesprochen, die eine direkte Gefährdung unserer Demokratie darstellen. Das sind Themen, die uns alle etwas angehen!

Was möchtest du mit deinem Buch und Podcast bewegen? 

Mit meinem Podcast möchte ich deutlich machen, dass auch junge Menschen Vorbilder sein können und durch eigene Ideen und Einsatz etwas verändern können. Ähnlich schreibe ich es in meinem Buch: Die gesellschaftlichen Missstände machen viele meiner Generation wütend. Jetzt geht es darum, laut zu werden und sich einzumischen. 

Ronja Ebeling

Welche gesellschaftlichen Veränderungen würdest du dir für die Zukunft wünschen? 

Ich würde mir wünschen, dass sich die verschiedenen Generationen auf Augenhöhe begegnen und konstruktive Gespräche führen. Das ist der derzeit nicht der Fall, aber ich halte es für nötig, um die zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen. 

Was möchtest du deinen Leser:innen mit auf den Weg geben? 

In erster Linie möchte ich meine junge Leserschaft wissen lassen, dass zum Beispiel die Angst vor Altersarmut, der Klimawandel oder auch das Hineinrutschen in traditionelle Geschlechterrollen keine privaten Probleme sind. Sie sind strukturell, weshalb wir auch strukturelle Lösungen brauchen. Wenn meine Leserschaft das verstanden hat, möchte ich, dass wir laut werden und Veränderungen fordern – das geht nur gemeinsam.

Zum Nachlesen: Eine Generation in der Krise

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Fotos: © Jan Lops

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